Das 1. Schützenfest
der St. – Sebastianus – Schützenbruderschaft
am 28. September und 05. Oktober 1902
(Auszug aus der Vereinschronik)
Nahm nach allgemeinem Urteile einen durchaus schönen Verlauf und fand überall Anklang. Die Kapelle am ersten Festtage, 28. September, versetzte die Bewohner unserer Gemeinde schon in der Morgenfrühe in festliche Stimmung. Der gemeinschaftliche Kirchgang der Schützen in Schützenhut und Vereinsabzeichen (Oberst und Hauptleute mit Degen und Schärpen) unter Vorantritt einer Musikkapelle, der Rückmarsch zum Vereinslokal nach beendigtem Hauptgottesdienst sowie der Festzug am Nachmittage vollzogen sich vom Wetter begünstigt in militärischer Ordnung und von zahlreichen Zuschauern begrüßt und bewundert. Nachdem der Festzug am Nachmittage gegen 4 Uhr auf dem Schützenplatz angekommen ist, begrüßte der Präsident des Vereins, Lehrer Surmann, zunächst die erschienenen Ehrengäste, nämlich den Grafen von Spee – Linnep und Herrn Vikar Kreutzer von Mintard, ermahnte sodann in ernster, eindringlicher Rede, sich der Mitgliederpflichten entsprechend dem Zwecke der Bruderschaft stets bewußt zu bleiben, um dadurch sich als würdige Jünger des Vereinspatrones zu erweisen und der Bruderschaft Achtung und Freunde zu erwerben und schloß mit einem dreifachen Hoch auf unseren glorreich regierenden Herrscher Kaiser Wilhelm II. der ja durch seine Pflichttreue, durch seine aufrichtige Frömmigkeit, durch werktätige Nächstenliebe, durch Leutseligkeit, durch Mannesmut und Manneszucht auf uns Schützenbrüder voranleuchte. Nachdem das Hoch auf den Landesvater, in welches alle Anwesenden begeistert mit einstimmten, (die Schützen mit präsentiertem Markiergewehr ) verklungen war, begann das Königsschießen (Vogelschießen ). Eröffnet wurde dasselbe durch die oben genannten Ehrengäste, in dem Herr Graf von Spee den ersten Schuß zu Ehren Seiner Majestät und Herr Vikar Kreutzer den zweiten Schuß zu Ehren des Heiligen Sebastianus abgab.
Da bei der vorgeschrittenen Jahreszeit die Dunkelheit eintrat, bevor der Vogel herunter geschossen wurde, mußte gegen 7 Uhr das Schießen eingestellt werden. Nach kurzer Beratung wurde einstimmig auf Vorschlag des Präsidenten beschlossen, dasselbe am folgenden Tag nachmittags 4 Uhr wieder aufzunehmen.
Am Montage fanden sich die Schützen zu festgesetzter Zeit zahlreich wieder ein. Der Vogel fiel endlich durch den Schuß des Schützen Clemens Dohrenbusch, welcher den Schuß für den wegen Unwohlsein verhinderten Schützen Karl Stöcker abgegeben hatte.
Von den Adjutanten benachrichtigt, fand dieser sich trotz seines Unwohlseins bald darauf im Vereinslokal ein, wo derselbe dann vom Präsidenten feierlich zum Könige ausgerufen und mit der Königskette geschmückt wurde.
Zur Königin erwählte derselbe Fräulein Maria Plönes. Obwohl das Programm des ersten Festtages nunmehr erledigt war, hielt die heitere Stimmung die Schützenbrüder doch noch etwa bis 11 Uhr zusammen.
Am zweiten Festtage, 05.Oktober, wurde der Schützenkönig nachmittags ½ 4 Uhr vom gesamten Schützencorps im feierlichen Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle abgeholt und im reich geschmücktem zweispännigem Wagen durch den mit Fahnen und Triumphbogen reich geschmücktem Ort geführt. Darauf fand die öffentliche Festversammlung statt. In Vertretung des leider erkrankten ersten Vorsitzenden, Herrn Lehrer Surmann, führte Herr Vikar Kreutzer den Vorsitz und brachte den ersten Trinkspruch auf das Schützenkönigspaar aus. Das zweite mit großer Begeisterung ausgebrachte Hoch galt dem Landesherrn. Durch die exakten Konzertstücke der Mentzen’chen Kapelle, durch das schwungvolle Festgedicht des Vereinsobersten Breuer, durch die von zwei weißgekleideten Mädchen vorgetragenen Festgedichte, von denen das erste eine Begrüßung des Schützenkönigs paares, das andere den Hergang des Königsschießens zum Inhalt hatte, sowie mannigfache Aussprachen unter anderen von Seiten des werten Gastes Herrn Unterhösel – Krummenweg, entwickelte sich bald die rechte feuchtfröhliche Stimmung. Den Schluß dieses offiziellen Teiles bildete die feierliche Krönung des Königs und der Königin durch den Vizepräsidenten, Herrn Dohrenbusch Johann.
Der sich nun anschließende Festball hielt Vereinsmitglieder und Festgäste bis zum anbrechenden Morgen zusammen.